• Krank zur Arbeit?

Krank zur Arbeit?

Rechtsanwältin Doris Spoida / Telefon: 03322 425-111
erschienen in der Brawo am 08.10.2017

Grundsätzlich hat ein Arbeitnehmer seine Arbeitskraft voll und ganz zur Verfügung zu stellen. Kann er durch Krankheit die arbeitsvertraglich vereinbarte Leistung nicht erbringen, verstößt er damit gegen seinen Arbeitsvertrag. Der Arbeitgeber könnte hierfür eine Abmahnung aussprechen. Außerdem hat der Arbeitgeber gegenüber dem Arbeitnehmer und seinen Kollegen eine Sorgfaltspflicht. Verschuldet der Arbeitnehmer durch die Krankheit etwa einen Unfall und der Arbeitgeber hat von der Krankheit gewusst, können auf ihn Schadensersatzansprüche zukommen. Genauso kann der Arbeitnehmer in Haftung genommen werden, wenn er seine Krankheit verschwiegen hatte.

Wann der Arbeitnehmer zu krank ist um zu arbeiten, ist von der Krankheit und dem Arbeitsplatz abhängig. Es muss dem Angestellten unmöglich oder unzumutbar sein, zu arbeiten, oder er würde seiner Gesundheit schaden, wenn er arbeitet.

Bei einem Beschäftigungsverbot ist die Arbeit grundsätzlich untersagt. Dagegen attestiert die vom Arzt ausgestellte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung lediglich, dass der Arbeitnehmer zum aktuellen Zeitpunkt der Krankschreibung seine Arbeitsleistung nicht erbringen kann. Die Dauer der Krankschreibung ist eine Prognose des Arztes. Ist der Arbeitnehmer früher wieder gesund, darf er auch ohne Gesundschreibung wieder zur Arbeit gehen.

Ansonsten lautet: Krank ist krank! Der arbeitsunfähige Arbeitnehmer darf zu Hause bleiben und muss auch nicht zu einem Personalgespräch in der Firma erscheinen. Nur unter besonderen Umständen und je nach Erkrankung müssen krankgeschriebene Arbeitnehmer, z.B. Führungskräfte, für Rückfragen telefonisch erreichbar sein. Um eine Vertretung während der Krankenzeit müssen sich Arbeitnehmer jedoch nicht selbständig kümmern.